anonym | Louise Stomps und ihre Skulptur ”Der Ruf”, 1977
STOMPS, LOUISE
1900
1988
Biografie

 

1900 
Adele Louise Sophie Stomps wird  am 5. Oktober als zweites Kind des Rechtsanwalts und Justiziars Otto Stomps (1860-1931) und seiner Ehefrau Else Stomps, geb. Kempff (1873-1952), in Berlin geboren. Die Familie wohnt im Tiergartenviertel, ab 1910 in Berlin-Lichterfelde im eigenen Haus. Ihr Bruder ist der 1897 in Krefeld geborene Schriftsteller und Verleger Victor Otto Stomps (1897-1970), genannt VauO.

1917
Louise Stomps schließt das Elisabeth Lyceum in Berlin-Lichterfelde-Ost ab. Erste Tierskulpturen.

1918 
Besuch eines Mädchenpensionats in Feldafing am Starnberger See.

1920-1922 
Heirat mit dem zehn Jahre älteren Diplom-Ingenieur Hans Becker. 1921 Geburt der Tochter Inge; 1922 Geburt der Tochter Annemarie

1927 
Scheidung. Louise Stomps wohnt mit ihren Töchtern im elterlichen Haus in Berlin-Zehlendorf, Teichstraße 10.

1928-1932 
Abendaktklasse bei Prof. Johannes Röttger an den Vereinigten Staatschulen für freie und angewandte Kunst, Berlin. Besuch der Bildhauerklasse von Milly Steger im Verein der Künstlerinnen, Berlin (VdBK). Mitglied im VdBK 1928-1943. Holzskulpturen. Erste Ausstellungsbeteiligungen an den Juryfreien 1928 und 1929.

1931 
Tod des Vaters. Arbeiten in Stein, 1935/36 entsteht die steinerne Grabskulptur Mutter Erde für das Familiengrab auf dem Städtischen Friedhof in Berlin-Zehlendorf.

1932 
Beginn der selbständigen Arbeit als Bildhauerin. Sie trifft die Bildhauerin Lidy von Lüttwitz (1902-1996), mit der sie zeitweise eine Liebesbeziehung, danach eine lebenslange Freundschaft verbindet; einige Jahre nutzen sie gemeinsam ein Atelier, zuerst in Berlin-Grunewald, danach in der Schaperstraße 32 in Berlin-Wilmersdorf.

1933-1936 
Stomps zieht mit ihren Töchtern und der Mutter nach Berlin-Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 88, um in der Anonymität der Stadt freier zu sein;  das Haus in Berlin-Zehlendorf wird vermietet. 

Sie wird Mitglied in der Reichskulturkammer, um Materialbezugsscheine zu bekommen und ihre Arbeitsmöglichkeiten als Bildhauerin aufrecht zu erhalten.

Gelegentliche Teilnahme am Stammtisch der Rabenpresse (1926-1937), dem Verlag ihres Bruders VauO Stomps in Berlin, der unter Beobachtung der Nationalsozialisten steht; hier u.a. Zusammentreffen mit Ludwig Meidner, Paul Steegmann, Luigi Malipiero, Oda Schaefer.  

1936 
Ablehnung des NS-Regimes und nach dem Ausschluss der Arbeiten von Käthe Kollwitz und Ernst Barlach aus der Jubiläumsausstellung der Akademie der Künste Berlin, Rückzug aus der Öffentlichkeit. Aus Solidarität stellt sie nicht mehr aus. 

1937 
Zusammen mit Lidy von Lüttwitz und Else Driessen Besuch der Weltausstellung in Paris.

Umzug in die Achenbachstraße 3.

1938-39 
Durch Vermittlung ihres Bruders VauO Begegnung mit der Malerin, Sammlerin, Mäzenin und Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath (1893-1983), die 1940-43 Ausstellungen “entarteter“ Künstler in ihrem Berliner Atelier in der Regensburger Straße im privaten Kreis zeigt.

Ihr Atelier Schaperstraße wird von den Nationalsozialisten zur Nutzung beansprucht; sie findet ein Atelier in der Neuen Grünstraße in Berlin-Mitte, Lidy von Lüttwitz in Berlin-Hermsdorf im Norden Berlins.

1940 
Nach den ersten Bombenangriffen mietet sich Louise Stomps in Caputh bei Potsdam ein Fluchtasyl und vergräbt dort einige ihrer Skulpturen.

1943 
Bei Bombenangriffen werden am 3.11. ihre Wohnung, Achenbachstr.3, Berlin-Wilmersdorf, und am 23.11. das Atelier in Berlin-Mitte, Neue Grünstr.40, vollständig zerstört; Verlust aller dort verbliebenen Arbeiten. Sie lebt und arbeitet von nun an in Notquartieren. Sie gibt einem verfolgten Kommunisten Unterkunft, verteilt Flugblätter gegen die Nationalsozialisten.

1945 
Sie wird denunziert und muss wegen Verdachts der Spionage sechs Wochen in russische Haft. Im August eröffnet in Berlin die Galerie Rosen am Kurfürstendamm 215 die erste Ausstellung. An der 3. Ausstellung im Oktober/November Plastik und Bildhauerzeichnungen nimmt Louise Stomps zusammen mit Paul Dierkes, Karl Hartung, Gottfried Kappen, Gustav Seitz, Renée Sintenis, Christian Theunert, Hans Uhlmann teil.

Sie mietet ein Atelier in der Schillerstraße 21 in Berlin-Charlottenburg.

1946 
Einladung und Teilnahme am Wettbewerb „Mahnmal der Hingerichteten in Plötzensee“.

Ausstellungsbeteiligung an der 1. Deutschen Kunstausstellung der Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone im Zeughaus Unter den Linden, Berlin; Ende des Jahres ist sie in der Mappe Grafik 1946 der Galerie Rosen als einzige Bildhauerin mit einer Arbeit vertreten.

1947 
Sie lehnt das Angebot ab, die Klasse für Holzbildhauerei an der Staatlichen Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar zu leiten.

Im August zusammen mit Hans Kuhn Ausstellung in der Galerie Rosen; im Winter Teilnahme an der Jahresschau, außerdem im Almanach 1947 der Galerie Rosen vertreten.

1948 
Der Magistrat von Berlin kauft die Eichenholz-Skulptur Das Paar, 1938, (heute Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie) für die sich in Planung befindende Galerie des 20. Jahrhunderts.

1949 
Louise Stomps richtet sich ein Atelier im Keller des vermieteten elterlichen Hauses in Berlin-Zehlendorf in der Teichstraße 10 ein.

1950 
Am 17. März findet die Gründung des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlins statt, zu der Louise Stomps zusammen mit Hannah Höch, Renée Sintenis, Augusta von Zitzewitz und 27 weiteren Künstlern aufgerufen hat. Stomps, versehen mit dem Mitgliedsausweis Nr.3, ist neben Else Driessen die einzige Künstlerin im Aufnahme-Ausschuss. 

1950er Jahre 
Kauf eines gebrauchten BMW Motorrads mit Beiwagen, einer ehemaligen Polizeimaschine von 1933.

In den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u.a. mehrfach im Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, außerdem in Berlin, Düsseldorf, München, Oldenburg, Rosenheim, Wasserburg am Inn. 

1951 
Louise Stomps erhält den Kunstpreis der Stadt Berlin mit einem Preisgeld von 1000 DM; damit bekommt zum ersten Mal nach Renée Sintenis 1948 wieder eine Künstlerin den Preis zugesprochen.

1952-1953 
Tod der Mutter.

Internationaler Wettbewerb Der Unbekannte Politische Gefangene, ausgeschrieben vom Institute of Contemporary Art, London; als einzige Künstlerin unter den zwölf deutschen Finalisten kommt sie in die internationale Auswahl nach London. Bei der Entscheidung im März 1953 in London erhält sie eine “ehrenvolle Erwähnung“ und 25 £ Preisgeld.

Reisen nach Sylt und ins Ruhrgebiet, nach Dortmund, Essen, Wanne-Eickel zu Ausstellungsbesuchen mit Werken u.a. von Paul Klee, Max Ernst, Karl Schmidt-Rottluff.

1955 
Besuch der ersten documenta in Kassel.

1957 
In der Eremiten-Presse erscheint die Publikation Bildhauer-Skizzen mit Arbeiten von Louise Stomps.

1958 
Teilnahme am Wettbewerb Internationales Denkmal für Auschwitz.

Hanna Bekker vom Rath zeigt in ihrem 1947 eröffneten Frankfurter Kunstkabinett eine Einzelausstellung mit Werken von Louise Stomps.

1960 
Sie erwirbt in Rechtmehring in Oberbayern eine alte Kumpf-Mühle und richtet sich hier Atelier und  Wohnung ein. Sie verlässt Berlin, um in der Natur konzentriert arbeiten zu können.

Die 1960er Jahre sind eine sehr produktive Schaffenszeit, sie arbeitet fast ausschließlich mit den Hölzern der Umgebung; dabei entstehen auch zahlreiche über drei Meter hohe, schlanke Skulpturen, wie z.B. Einsamer, Asket und Pilger.

1970 
Ihr Bruder Victor Otto Stomps stirbt.

Lidy von Lüttwitz und Else Driessen ziehen in die Räume der alte Brauerei des Klosters Altenhohenau bei Wasserburg am Inn.

1979 
Die Galerie der Künstler zeigt in ihren Räumen im Staatlichen Museum für Völkerkunde, München mit 147 Skulpturen eine umfangreiche Einzel-Verkaufs-Ausstellung.

1983 
Der Kunstverein Rosenheim wählt als Jahresgabe ihre Skulptur Kleiner Wassergeist von 1971 und bietet die Bronze in einer Auflage von 30 Stück an.

1984 
Kauf eines roten Motorrads Yamaha XS 650 mit Squire Seitenwagen.

1988 
Am 22. April stirbt Louise Stomps in Wasserburg am Inn an den Folgen eines Motorradunfalls.

2009 
Die Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie, Architektur erhält sechs Skulpturen und  99 Zeichnungen, sowie den schriftlichen Nachlass als Zustiftung durch die Erben Berhold Kogut und Peter Schrader.

2013 
Vertreten in der Ausstellung “Künstlerinnen im Dialog – Gemälde.Fotografien.Skulpturen“, DAS VERBORGENE MUSEUM 22.8.-6.10.2013

2018 
In der Ausstellung “Die erste Generation – Berliner Bildhauerinnen der Moderne“ im Georg Kolbe Museum, Berlin, ist Louise Stomps mit ca. zwanzig Arbeiten vertreten.

2018/19 
Vertreten in der Ausstellung: “Bildhauerinnen. Von Kollwitz bis Genzken“ im Städtischen Museum Heilbronn, Kunsthalle Vogelmann, die anschließend in Bremen, im Gerhard-Marcks-Haus und in den Museen Böttcherstraße, gezeigt wird.

2019 
Die Erben machen der Stadt Wasserburg am Inn eine Schenkung von 16 Skulpturen, die in der öffentlichen Bibliothek ausgestellt sind.

2021
Im Oktober präsentiert DAS VERBORGENE MUSEUM die Retrospektive Louise Stomps – Natur Gestalten in der Berlinischen Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie u. Architektur in Berlin.

 

DAS VERBORGENE MUSEUM
zu Gast in der Berlinischen Galerie
 

NATUR GESTALTEN
Skulpturen 1928 – 1988 

ERÖFFNUNG
14. Oktober 2021
 
LAUFZEIT
15. Oktober 2021 – 17. Januar 2022
 
ORT DER AUSSTELLUNG
Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur 
Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin 

 

 

STANDORT > ADRESSE
DAS VERBORGENE MUSEUM
Schlüterstrasse 70
10625 Berlin-Charlottenburg
 
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U-Bahn Ernst-Reuter-Platz
Bus M49, X34
 
STADTPLAN

 

TELEFON
+49 (0) 30 313 36 56
 
MAILADRESSE
 

Katalog zu Leben und Werk der Bildhauerin Louise Stomps:

LOUISE STOMPS – NATUR GESTALTEN | Skulpturen und Zeichnungen 1928-1988 
LOUISE STOMPS – Figuring Nature | Sculptures and Drawings 1928-1988

Herausgegeben von Marion Beckers und Elisabeth Moortgat mit wissenschaftlichen Beiträgen,
von Yvette Deseyve, Arie Hartog, Annelie Lütgens, Christiane Meister, Christina Thürmer-Rohr, Julia Wallner sowie persönlichen Erinnerungen von Berthold Kogut, Martin Meggle, Peter Schrader, Hans Goswin Stomps; illustriert mit Neuaufnahmen der Skulpturen; Hirmer-Verlag, deutsch/englisch, 224 Seiten,180 Farb-Abb., gebunden, an der Museumskasse 29,- Euro. ISBN 978 97774 3776 7