AUGENSTEIN, KÄTHE
AUGENSTEIN, KÄTHE
1899
1981
Fotojournalistin Berlin - Bonn

 

1899 
Am 20. Dezember wird Katharina Christine, genannt Käthe, nach ihren Schwestern Maria (*1896) und Josefine, gen. Fine (*1898) als dritte Tochter von Joseph (1869-1943) und Helene Augenstein (1870-1940)
in Bonn-Kessenich geboren. 

1898 
von Koblenz nach Bonn übergesiedelt, gelingt es Joseph Augenstein nach einigen Jahren, sich als Biergroßhändler
in Bonn-Poppelsdorf zu etablieren.

1903 
Die Familie bezieht ein neu errichtetes Wohn- und Geschäftshaus in der Argelandstraße 95. 
Wie ihre Schwestern besucht auch Käthe das Lyzeum für Mädchen, die heutige Clara-Schumann-Schule in Bonn.
Josefine entwickelt eine Vorliebe für die Malerei und ausgesprochenes Talent zum Malen; Käthes Interesse gilt vor allem der Literatur, aber auch der Musik und dem Kino. Ihre ersten Fotografien macht Käthe Augenstein mit einer kleinen Plattenkamera. Nach dem Schulabschluss macht sie eine Ausbildung in einem fotografischen Atelier; die Schwester Josefine beginnt ein Malerei-Studium an der Düsseldorfer Akademie. 

1914-1918 
Joseph Augenstein gelingt es, sein Unternehmen über die wirtschaftlich schweren Kriegsjahre zu bringen.

1917 
Im November geht Käthe Augenstein als Freiwillige an die Front nach Frankreich und wird im Postüberwachungsdienst eingesetzt. Aus der Begegnung mit Christine Frey, der späteren Frau des Malers Will Wanzer, entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft. Augenstein setzt sich intensiv mit der Fotografie auseinander, fotografiert in ihrem Arbeitsumfeld und stellt Postkarten mit selbst fotografierten Motiven her. 

1918 
Am 31. Oktober kehrt Käthe Augenstein nach Bonn zurück.

1919 
Sie schließt sich der Bonner Kunstszene an, der Will Wanzer, Pit Müller, Matthias Profitlich, Helmuth Macke, der Bruder des Malers August Macke, Michael Hennes, und die amerikanische Künstlerin, La Vera Pohl, angehören.

1920 bis 1927 
Mit dem expressionistischen Maler Hans Thuar (1887-1945) geht sie eine enge Beziehung ein. Sie begleitet ihn häufig beim Skizzieren in der Natur und schult dabei ihr künstlerisches und gestalterisches Sehen. Es entstehen Porträts, darunter viele von Hans Thuar. 

1922/23
Sie macht Landschaftsaufnahmen, fotografische Experimente und fotografiert ihre Freundin Christine Frey in inszenierten Tanzposen.

1927
Durch die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern kann sie sich den Wunsch erfüllen, nach Berlin umzuziehen. Sie besucht die Photographische Lehranstalt des Lette-Vereins in Berlin, absolviert dort die Meisterklasse und Spezialkurse zur Bildreportage, Foto-Montage, zu Werbefotografie und Kinematographie. Durch Elisabeth Erdmann-Macke trifft sie Maria Marc, die Witwe des Künstlers Franz Marc. In Berlin beginnt auch die Freundschaft mit dem expressionistischen Maler Werner Scholz.

1929 
Vermutlich Ende des Jahres erfolgt die Anstellung bei der Fotoagentur Dephot (Deutscher Photodienst), Jägerstr. 11, Berlin W8. Im Dezember gewinnt Simon Guttmann, der Chef der Dephot, den Atelierfotografen Kurt Hübschmann und den Schweizer Expeditionsfotografen Walter Bosshard als ständige Mitarbeiter.

1930 
Als Fotoreporterin fotografiert sie für die Dephot den Blasphemie-Prozeß gegen George Grosz und Wieland Herzfelde, der sich über drei Jahre
(1928-1931) hinzog.

1931
Der für seine BIZ- Reportagen bekannt gewordene Fotograf Harald Lechenperg wird für die Dephot tätig.

1932
Teilnahme an der Ausstellung Das Meisterphoto (24. April bis 1. Mai) in den Räumen der Berliner Bildberichterstatter, Platz der Republik 4, auch bekannt als Haus der Juryfreien; weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind u.a. Marianne Breslauer, Elsbeth Heddenhausen (die wie sie selbst im Lette-Verein ausgebildet wurden und im Ullstein Verlag gearbeitet haben), Walter Bosshard, Kurt Hübschmann, Felix H. Man, Martin Munkácsi, Friedrich Seidenstücker, Umbo (Otto Umbehr).
Im Spätherbst führt die finanzielle Krise der Dephot zur Auflösung der Büroetage in der Jägerstrasse 11; im Dezember erfolgt die Umbenennung in Degephot. Augenstein beendet wie ihre Kollegen Felix H. Man, Walter Bosshard, Werner Cohnitz, Kurt Hübschmann ihre Arbeit bei der Degephot. 

1933
Als freie Fotografin Zusammenarbeit mit verschiedenen Agenturen, u.a. auch mit Mauritius

1933-1945
Viele Freunde von Augenstein emigrieren, z. B.  der Kunsthistoriker Max Deri, das Ehepaar Franz, Frieda Silberstein. 1935 wird ihre Schwester Josefine Augenstein zwangssterilisiert. Die Werke von Werner Scholz werden als “entartet“ diffamiert. Ihre Freundin Liselotte Kalbitzer wird ins Konzentrationslager gebracht. Der Freund Lothar Erdmann kommt 1939 im Konzentrationslager um. 

1937-45
Die staatliche Kontrolle des Pressewesens veranlasst Käthe Augenstein ihre Selbständigkeit aufzugeben und eine Stelle beim Deutschen Verlag anzunehmen, die ein regelmäßiges Einkommen gewährleistet. Vermutlich durch Harald Lechenperg, der zum Chefredakteur der Berliner Illustrirten Zeitung (BIZ) ernannt worden war, erhält sie eine Festanstellung im Fotoatelier unter Elsbeth Heddenhausen beim Deutschen Verlag (ehemals Ullstein Verlag, 1934 Enteignung und Arisierung; 1937 umbenannt in Deutscher Verlag und dem Zentralverlag der NSDAP angegliedert). 
Augenstein macht dort Werbeaufnahmen und fotografiert auf Reisen, u. a. in Norwegen, Österreich, Moskau.
Während des Krieges übernimmt sie (vermutlich auch für die Zeitschrift Signal) die Entwicklung von Farbnegativen, was sie als eine von wenigen beherrschte.
Zur Hochzeit von Hans Thuars Tochter, Gisela Thuar mit Wolfgang Macke ist Käthe Augenstein im Dezember im Ramersdorf / Bonn.

1938
Im Sommer Besuch bei Hans Thuar während seines Aufenthalts bei Maria Marc in Ried bei Benediktbeuren, Oberbayern. 

1939
Käthe Augenstein fotografiert Stalin mit von Ribbentrop anlässlich der Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes in Moskau.

1945
Ein Brand in ihrem eigenen Wohn-Atelier in Berlin zerstört ihr gesamtes Positiv- und Negativarchiv ebenso wie ihre Kameraausrüstung. Sie kehrt zurück nach Bonn und führt hier bis 1970 ein eigenes Atelier.

1947
Mitglied im „Alfterer Kreis“ (Donnerstaggesellschaft) in Bonn um die Brüder  Hann und Eduard Trier,
Georg Meistermann, Werner Bergengruen, Toni Feldkirchen u.a.  

1948-1960
Öffentliche Aufträge; Portraits der Mitglieder des Parlamentarischen Rats. Es entsteht die Serie zum Studentenbunker. Architekturaufnahmen, besonders im Zusammenhang mit dem Aufbau der Bundeshauptstadt Bonn: Behördenbauten, Neubausiedlungen.

1972
Käthe Augenstein beendet ihre fotografische Tätigkeit.

1981
Käthe Augenstein stirbt in Bonn nach längerer Krankheit.  

1996
Das Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn erwirbt den Nachlass von Käthe Augenstein, im Archiv der ersten Nachlass einer Fotografin.

2011
Das Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn zeigt nach einer ersten Bearbeitung des Nachlasses durch Sabine Krell, Leiterin der Fotografischen Sammlung, die Ausstellung Käthe Augenstein 1899-1981- Fotografien mit begleitendem Katalog. 

2013
Die Ausstellung Käthe Augenstein 1899-1981- Fotojournalistin Berlin-Bonn im Verein DAS VERBORGENE MUSEUM, Berlin ist die erste Ausstellung mit vintage prints der Fotografin.

 


Eröffnung

Donnerstag, 24. Okrober 2013 | 19 Uhr

Es sprechen

Dr. Norbert Schloßmacher
Leiter Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek, Bonn

Sabine Krell
Kuratorin der Ausstellung, Bonn

Laufzeit

25. Oktober 2013 - 9. Februar 2014
geschlossen: 16.12.2013 - 5.01.2014
Eintrittspreise: 2 € ermäßigt 1 €

ÖFFNUNGSZEITEN

Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr

Veranstaltung

Bücherbazar im Dezember 2013 

 

FLYER zur Ausstellung


PUBLIKATION
Kaethe Augenstein 1899–1981. Fotografien«
Hg. von Sabine Krell, mit Texten von Sabine Krell,
Klaus Honnef, Rolf Sachsse, 160 S.,
ca. 100 Tafelabbildungen, Bonn 2011,
Preis 15,00 €

Eine Ausstellung mit Unterstützung
des Stadtarchivs und der
Stadthistorischen Bibliothek Bonn 

 

STANDORT > ADRESSE

Der Verein DAS VERBORGENE MUSEUM | Dokumentation der Kunst von Frauen eV
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