23. April 2020 - 30. August 2020

MATHILDE TARDIF 1872 – 1929

Panoptikum der Gesellschaft um 1900

Die Ausstellung mit Werken der in Marseille geborenen und in Deutschland gestorbenen Malerin Mathilde Tardif (1872-1929) ist die erste Begegnung mit ihren Gemälden in einer Einzelausstellung.

Ca. 70 Werke zwischen 1897 und 1929 entstanden, geben erstmals Einblick in das Werk der in den 1890er-Jahren in Paris an der Académie Julian ausgebildeten Malerin.

An der Académie steht Mathilde Tardif in der Tradition der Nabis, einer Gruppe rebellischer junger Kunststudenten um Maurice Denis; sie geht aber sowohl thematisch als auch malerisch ganz eigene Wege.  

Die Themen ihrer gesellschaftskritischen Beobachtungen findet sie im Alltag der kleinbürgerlichen und bourgeoisen Gesellschaft und stilistisch lassen sich sowohl Vorbilder bei den Symbolisten wie beim Jugendstil finden

Es war die Zeit der Dritten Französischen Republik (1870-1940) in Paris, der sprichwörtlichen Hauptstadt der Kunst. Unter Einfluss der Impressionisten haben seit Mitte des 19. Jahrhunderts Alltagsthemen Eingang in die Kunst gefunden und wie Mathilde Tardif  beschäftigten auch Thèophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) die Verhältnisse der kleinen Leute und Henri Toulouse-Lautrec (1864-1901) die zwielichtige Welt der nächtlichen Vergnügungen.

Die Intimität des kleinen Formats erfordert eine besondere Konzentration bei der Betrachtung des krassen Elends, der von Tod und Todesahnung Gezeichneten sowie der Szenen käuflicher Liebe.
 
Tardif zeichnet Menschengruppen und Einzelpersonen in Armut. Immer wieder beschäftigt sie der bigotte katholische und evangelische Klerus, die Prostituierten und die Liebhaber sowie die elegante Halbwelt der Vergnügungslokale.
Zu ihrem Bildrepertoire gehören Darstellungen gesellschaftlicher  Außenseiter, Bettler und Obdachloser, kindereicher, armer Familien und karikaturesk überzeichneter Typen wie der alternde Dandy. Aber auch die kleinen Freuden des Alltags wie der Nervenkitzel beim Auftritt der Zirkusartisten finden sich unter ihren Motiven.

Mathilde Tardif  kommt um 1900 in das wilhelminische Berlin, wo Künstlerinnen als Malweiber karikiert wurden und noch lange keinen Zugang zur akademischen Ausbildung hatten.
Es gelingt ihr aber in der Berliner Secession, dem Forum für die moderne Kunst, ausgestellt zu werden. Zwischen 1901 und 1906 sind u.a. »Die tote Mutter« (1902), »Hochzeit« (1903) und »Obdachlos«(1903) vertreten, drei Werke, die jetzt zum ersten Mal seitdem öffentlich zu sehen sind.

1907 heiratet Mathilde Tardif in Berlin den Portrait-Maler Leo Freiherr von König (1871-1944), der zwischen 1894 und 1897 an der Académie Julian studiert hat und den sie in Paris während ihrer Studienzeit kennengelernt hat.

In Berlin nehmen sie gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, es gibt u.a. regelmäßige Begegnungen mit dem Kunstschriftsteller und Kunstkritiker Julius Meier-Graefe und dessen Frau Anna, mit Gerhart Hauptmann, der Kunstförderin Ida Dehmel und der Malerin Dora Hitz. Mit dem Ehepaar Meier-Graefe unternehmen sie 1908 eine ausgedehnte Reisedurch Spanien.

Nach der Scheidung von Leo von König 1920 geht Mathilde Tardif zusammen mit ihrer Tochter Yvonne (1892-1957) und deren Mann, dem Maler Walter Becker (1893-1984), einige Zeit später nach Frankreich zurück. 1929 setzt sie auf Gut Woltersdorf, Brandenburg, ihrem Leben ein Ende.

Die kleinformatigen Arbeiten basieren auf einer Mischtechnik aus überwiegend Aquarell mit Tempera und Bleistift, die sie auch mit Pastellkreide und Deckweiß bearbeitet hat.

Fotografien und Dokumente ergänzen das fragmentarische Bild der Malerin, der Mutter und der Ehefrau Mathilde Tardif.   

 

Biografie

 

 

ERÖFFNUNG
22. April 2020 | 19 h | fällt aus !!

Die Ausstellung ist jetzt für Ende Januar 2021 geplant

Es sprechen

Elisabeth Moortgat
DAS VERBORGENE MUSEUM

Andreas Hoelscher
Nachlassverwalter

Dr. Ingrid von der Dolle
Kunsthistorikerin und Autorin der Publikation
zu Mathilde Tardif

 
LAUFZEIT
23. April  – 30. August 2020  | fällt aus

Die Ausstellung ist jetzt für Ende Januar 2021 geplant



ÖFFNUNGSZEITEN

Donnerstag, Freitag 15 - 19 Uhr
Samstag, Sonntag 12 - 16 Uhr

Das Museum ist nur zu den angeführten Zeiten während der Laufzeit geöffnet.

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Flyer zur Ausstellung

 

Publikation zur Ausstellung
Ingrid von der Dollen
Die Malerin MATHILDE TARDIF 1872-1929 
Panoptikum der Gesellschaft um 1900,
128 S., Edition Joseph Hierling, Tutzing 2020, 19,00 €

 

Wir danken dem Nachlassverwalter
Andreas Hoelscher für die gute Zusammenarbeit.